Sarg Fünf - Materialien

Bis dass der Tod uns scheidet

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Öffentliche Bibliothek in Boston: Harmonie der Bücher beim Studium von Glaubensfragen (Foto: Fotolia)

Über 4,7 Milliarden der über 7,3 Milliarden Menschen (2015) (1) sind weltweit Anhänger der fünf sogenannten „Weltreligionen“. Die zahlenmäßig größte Glaubensrichtung ist das Christentum (etwa 2,1 Milliarden Anhänger), gefolgt vom Islam (etwa 1,3 Milliarden Anhänger), dem Hinduismus (etwa 850 Millionen Anhänger), dem Buddhismus (etwa 450 Millionen Anhänger) und dem Judentum (etwa 15 Millionen Anhänger). Das Christentum und der Islam gelten als „missionierende Religionen“, ihnen geht es darum, mit ihrer Glaubensbotschaft möglichst viele Menschen zu erreichen. Anders im Judentum: Gläubige Juden werben nicht um neue Glaubensanhänger. Auch der Buddhismus ist keine missionierende Religion, denn er verfolgt nicht das Ziel, alle Menschen zu bekennenden Buddhisten zu machen - auch wenn es in dieser Religion darum geht, die Menschen von ihren Leiden zu befreien und ihnen den „Weg zur Erkenntnis“ aufzuzeigen. Religionen versuchen die elementaren Fragen des Menschen zu beantworten: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Warum bin ich? Und was geschieht nach meinem Ableben? Kein Glauben kann seinen „Glauben“ beweisen, sonst würde es auch „Wissen“ heißen. Jede Religion ist von Menschen gemacht. Glauben hat seinen Ursprung in sogenannten Religionsstiftern.

www.uni-protokolle.de/Lexikon/Liste_der_Religionsstifter.html

www.uni-protokolle.de/Lexikon/Liste_der_Reformatoren.html

Die meisten Religionsstifter haben Visionen oder Erscheinungen und legen diese als Zeichen eines göttlichen Wesens aus. Im Islam gilt der in arabischer Sprache überlieferte Text des Koran als „Wort Gottes“. Nach islamischem Glauben ist er sozusagen die Niederschrift der Rede Allahs an Mohammed. Muslime sehen das Judentum und das Christentum als Vorläufer-Religionen an. Juden und Christen haben im Islam als „Schriftbesitzer“ eine den Muslimen untergeordnete Stellung werden aber nicht als Heiden betrachtet wenn sie den Regeln ihrer Religion gemäß leben. Für Christen gilt die Bibel als Buch der Bücher. Die Bibel ist eine Schriftensammlung, die im Judentum und Christentum als Heilige Schrift mit normativem Anspruch für die ganze Religionsausübung gilt.

Die Bibel des Judentums ist der dreiteilige Tanach, der aus der Tora (Weisung), den Nevi’im (Propheten) und Ketuvim (Schriften) besteht. Diese Schriften entstanden seit etwa 1200 v. Chr. im Kulturraum der Levante und Vorderen Orient und wurden bis 135 n. Chr. kanonisiert.

Das Christentum hat alle Bücher des Tanach übernommen, anders angeordnet und als Altes Testament (AT) seinem Neuen Testament (NT) vorangestellt. Beide Teile wurden bis zum 3. Jahrhundert kanonisiert; spätere christliche Konfessionen haben diesen Kanon leicht abgewandelt. Die zweiteilige christliche Bibel ist das am häufigsten gedruckte und publizierte, in die meisten Sprachen übersetzte schriftliche Werk der Welt.

Der Islam erkennt die jüdische und die christliche Bibel als gültiges, jedoch von Menschen teilweise verfälschtes Offenbarungszeugnis Allahs an.

Einige östliche Religionen ( Hinduismus, Buddhismus) ordnen Jesus als Guru oder Weisheitslehrer in ihr Weltbild ein ohne ihm eine universelle Erlöserrolle zuzugestehen. Atheisten haben sehr unterschiedliche Ansichten in Bezug auf Jesus. Teilweise bezweifeln sie die Glaubwürdigkeit biblischen Aufzeichnungen oder verneinen die Existenz des historischen Jesus von Nazareth. Manche akzeptieren Jesus als philosophischen Lehrer natürlich ohne ihn als Erlöser zu verstehen. Andere glauben an seine historische Existenz sehen ihn aber als einen sektiererischen Demagogen und Verführer an.

Im Gegensatz zu den abrahamitischen Religionen glauben Hindus an die Wiedergeburt. Durch Handeln verursacht jedes Wesen neue Handlungen oder Karma, das am Ende wieder auf den Verursacher zurück fällt; gute Taten führen zu gutem Karma, schlechte zu schlechtem, daneben gibt es auch neutrale Handlungen. Diese Handlungen können körperlich oder geistig sein: wer schlecht über andere denkt, über den wird auch schlecht gedacht. Dieses Karma bleibt an der Seele haften und wirkt so über den Tod hinaus und verursacht neue Geburten. Die heiligen Schriften des Hinduismus und mit über 5.000 Jahren ältesten religiösen Texte sind die Veden (Sanskrit: „Wissen“) und das wohl verbreiteste Buch ist die Bhagavad-Gita (Sanskrit: „Gesang des Erhabenen“). (2)

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Ganesha – Statue in Thailand (Foto: Fotolia)

Ganesha (Sanskrit „Herr der Scharen“) ist eine der beliebtesten Formen des Göttlichen im Hinduismus. Weitere verbreitete Namen sind unter anderem Ganapati (‚Gebieter der Scharen‘), Vinayaka (‚Entferner [der Hindernisse]‘), Vighnesha (‚Herr der Hindernisse‘), Vigneshvara ("Zerstörer der Hindernisse"), Vighnantaka, Varada ("der Wohltaten Schenkende"), Siddhita ("der, der Erfolg bei der Arbeit schenkt") sowie Ekadanta ("Der mit dem einen Stoßzahn"). Unter der Bezeichnung Vinayaka wird er auch im Tantra verehrt, wo er als begnadeter Tänzer und beweglicher Liebhaber gilt, der mehrere Frauen zugleich beglücken kann. Ganesha ist der Gott und "Herr der Hindernisse", sowohl der Beseitiger als auch der Setzer von Hindernissen, wenn sich jemand ihm gegenüber respektlos verhält oder diese für ihn notwendig sind. Er ist der Herr und Aufseher über Shivas Gefolge und der Vermittler zu seinem Vater und damit Götterbote. Ganesha wird als naschhafter, gnädiger, gütiger, freundlicher, humorvoller, jovialer, kluger, menschlicher und verspielter, schelmischer Gott vorgestellt, der oftmals Streiche spielt. Er ist einer der wichtigsten, populärsten, zugänglichsten Götter Indiens überhaupt, der fast an jedem Straßenschrein verehrt wird. Er ist der Sohn des Shiva und der Parvati, mit denen er zusammen das Idealbild einer Hindu-Familie verkörpert. Ganesha ist von allen hinduistischen Göttern der mit der größten Präsenz und Popularität außerhalb Indiens. Er wird auch im Buddhismus und im Jainismus verehrt.(3)

Grundlage der buddhistischen Praxis und Theorie sind die Vier Edlen Wahrheiten: Die Erste Edle Wahrheit, dass das Leben in der Regel vom Leid (dukkha) über Geburt, Alter, Krankheit und Tod geprägt ist; die Zweite Edle Wahrheit, dass dieses Leid durch die drei Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung verursacht wird; die Dritte Edle Wahrheit, dass zukünftiges Leid durch die Vermeidung dieser Ursachen nicht entstehen kann bzw. aus dieser Vermeidung Glück entsteht und die Vierte Edle Wahrheit, dass die Mittel zur Vermeidung von Leid, und damit zur Entstehung von Glück, in der Praxis der Übungen des Edlen Achtfachen Pfades zu finden sind. Diese bestehen in: Rechter Erkenntnis, rechter Absicht, rechter Rede, rechtem Handeln, rechtem Lebenserwerb, rechter Übung, rechter Achtsamkeit und rechter Meditation, wobei mit die Übereinstimmung der Praxis mit den Vier Edlen Wahrheiten, also der Leidvermeidung gemeint ist.

Nach der buddhistischen Lehre sind alle unerleuchteten Wesen einem endlosen leidvollen Kreislauf (Samsara) von Geburt und Wiedergeburt unterworfen. Ziel der buddhistischen Praxis ist, aus diesem Kreislauf des ansonsten immerwährenden Leidenszustandes herauszutreten.


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Tempel mit Buddha Statuen in Ayutthaya, Thailand (Foto: Fotolia)

Als Begründer des Buddhismus gilt Siddhartha Gautama (geb. ca. 500 Jahre v. Chr.). Nach der Überlieferung wurde Siddhartha in Lumbini im nordindischen Fürstentum Kapilavastu, heute ein Teil Nepals, als Sohn des Herrscherhauses von Shakya geboren. Daher trägt er den Beinamen Shakyamuni, „Weiser aus dem Hause Shakya“.

Im Alter von 29 Jahren wurde ihm bewusst, dass Reichtum und Luxus nicht die Grundlage für Glück sind. Er erkannte, dass Leid wie Altern, Krankheit, Tod und Schmerz untrennbar mit dem Leben verbunden ist, und brach auf, um verschiedene Religionslehren und Philosophien zu erkunden, um die wahre Natur menschlichen Glücks zu finden. Sechs Jahre der Askese, des Studiums und danach der Meditation führten ihn schließlich auf den Weg der Mitte. Unter einer Pappel-Feige in Bodhgaya im heutigen Nordindien hatte er das Erlebnis des Erwachens (Bodhi). Wenig später hielt er in Isipatana, dem heutigen Sarnath, seine erste Lehrrede und setzte damit das „Rad der Lehre“ (Dharmachakra) in Bewegung.

Danach verbrachte er als Buddha den Rest seines Lebens mit der Unterweisung und Weitergabe der buddhistischen Lehre, des Dharma, an die von ihm begründete Gemeinschaft. Diese Vierfache Gemeinschaft bestand aus den Mönchen (Bhikkhu) und Nonnen (Bhikkhuni) des buddhistischen Mönchtums sowie aus männlichen Laien (Upāsaka) und weiblichen Laien (Upasika). Mit seinem (angeblichen) Todesjahr im Alter von 80 Jahren beginnt die buddhistische Zeitrechnung (ca. 420 und ca. 368 v. Chr).

Im Verlauf des 3. Konzils (3. Jahrhundert v. Chr.) wurde das Buch Kathavatthu verfasst, das die philosophischen und scholastischen Abhandlungen zusammenfasste. Dieser Text wurde zum Kernstück des Abhidhammapitaka, einer philosophischen Textsammlung. Zusammen mit dem Suttapitaka, den niedergeschriebenen Lehrreden des Buddha, und dem Vinayapitaka, der Sammlung der Ordensregeln, bildet es das in Pali verfasste Tipitaka (Sanskrit: Tripitaka, deutsch: „Dreikorb“, auch Pali-Kanon), die älteste große Zusammenfassung buddhistischen Schriftgutes. (4)

(1) de.statista.com/statistik/daten/studie/1716/umfrage/entwicklung-der-weltbevoelkerung/ Die vorherrschenden Religionen auf der Welt nach Staaten (Quelle: Neitram/ Wikimedia Commons)
(2) de.wikipedia.org/wiki/Hinduismus
(3) de.wikipedia.org/wiki/Ganesha
(4) de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus

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